PROZESS No 16

Werke von Micol Barichello, Ulrich Grüter, Michael Ley und Falk Richwien

ERÖFFNUNG: 12 – 16 Uhr am 21. April 2012

DAUER: 25. April bis 11. Mai 2012

Liebe Freunde,

ich begrüße Euch zu der 16. Ausstellung in unserer Prozessgalerie.

Bei all der Arbeit, die diese Galerie macht und bei diesen enormen Kosten und dem Zeitaufwand, die mit solch einem Projekt einhergehen, macht es Sinn, sich ab und zu zu fragen,

„Weshalb mach ich das hier eigentlich?“.

Natürlich habe ich immer wieder Freude an der Begegnung mit den Kollegen und die Gespräche und Freundschaften, die sich mit solch einer nichtkommerziellen Galerietätigkeit entwickeln sind wunderschön.

Aber es gibt ja nicht nur Beifall, wenn man eine Galerie betreibt, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, den spirituellen Aspekt in der Kunst wieder in das Bewusstsein zu heben. Im Gegenteil, mitunter ist man mit solch einem Unterfangen sogar massiven Anfeindungen ausgesetzt.

Etliche Kollegen, denen ich mich freundschaftlich verbunden fühle, gehen auf Distanz und in solch einer Szene wie der Berliner Kunstszene zerreißt sich auch manch einer das Maul, Gerüchte entstehen und ehe man sich versieht hat man den Stempel Esoterikgalerie,

„der da, mit seiner Erleuchtungsnummer …“.

Auch wenn ich diese Reaktionen bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen kann, überrascht mich dann doch immer wieder eine gewisse Bequemlichkeit bei diesen Kollegen.

Mein Eindruck ist, dass hier die innere Erfahrung des schöpferischen Vorganges nicht wirklich bewusst wird.

Die Tatsache, dass im schöpferischen Akt – zumindest immer wieder – Handlung tatsächlich einfach geschieht,
ohne dass da ein Handelnder ist, der etwas tut, wird von dem Künstler lediglich als Glücksgefühl erlebt,
ohne dass es ihm als höchst erstaunliches Phänomen bewusst wird, geschweige denn, dass er es reflektiert.

Dadurch hat diese Erfahrung dann auch über den Augenblick der Schöpfung hinaus keine Konsequenzen, außer dass eine Sucht nach dem Glücksgefühl beim Schöpfungsakt entsteht.

Schnell wird dann das Kunstmachen zum Beruf.

Aber das eigentliche Potential dieses Berufes, das spirituelle Potential, dass in dem Akt der Schöpfung so einfach, so direkt und kraftvoll erlebt wird, verpassen die meisten Künstler.

Sie verpassen das spirituelle Potential des Künstlerberufes, weil sie ihre eigene Erfahrung nicht ernst nehmen.

Denn würden sie diese Erfahrung
– dass im schöpferischen Akt Handlung ohne Handelnden einfach geschieht
– würden sie diese Erfahrung der Ichlosigkeit ernst nehmen,
so hätte dies Konsequenzen.

So geraten beispielsweise viele Künstler, die sich der Aufklärung verpflichtet fühlen, in einen scheinbaren Konflikt.

Handlung ohne „Ich“, Handlung, die einfach geschieht erscheint dann nämlich schnell als irrational und damit gegen die Aufklärung gerichtet, mystifizierend und rückwärtsgewandt oder gar reaktionär.

Ich finde dies angesichts unserer Geschichte und auch der Vereinnahmung und Missbrauch spiritueller Phänomene durch Kirchen, Sekten oder konservative politische Gruppierungen überaus verständlich.

Dennoch ist es tragisch, dass vielen Künstlern das volle Potential ihres Berufes entgeht, weil sie nicht bereit sind, ihre eigenen Erfahrungen der Ichlosigkeit ernst zu nehmen, und damit dann vielleicht auch die Aufklärung weiter zu entwickeln. Denn eine umfassende Weiterentwicklung der Aufklärung ist bitter nötig.
Nicht in dem Sinne, dass wir in ein Mystifizieren und Verklärung abrutschen.

Ein Knackpunkt in der Aufklärung ist die Lösung der Frage:

In welchem Verhältnis steht unsere Innenwelt zu unserer Außenwelt?

Und genau an dieser Stelle hält der Künstler in seinem schöpferischen Zustand der Ichlosigkeit sozusagen den goldenen Schlüssel in der Hand. Denn dieser Augenblick ist der Augenblick, in dem Innen- und Außenwelt zusammenfallen. Dies finde ich sollte man ernst nehmen.

Mich für meinen Teil jedenfalls hat dieser Zusammenhang dazu gebracht eine Galerie aufzubauen, die Künstler zeigt, wo ich das Interesse, die Offenheit und das Potential erkenne, sich der Reflektion und dem inneren Prozess dieses Phänomens der Ichlosigkeit im Schöpfungsprozess zu stellen.

Auch diesmal ist bei den vier Künstlern wieder diese Ehrlichkeit auch in der Arbeit zu sehen.

Ulrich Grüter und Michael Ley zwei sehr gute Freunde, mit denen mich eine gut 20 jährige Freundschaft verbindet,

Falk Richwien – wir kennen uns fast ebenso lange, wenn auch nicht ganz so gut,

und vor ein paar Wochen sind mir in einer Jurysitzung die Arbeiten von Micol Barichello aufgefallen – und auch hier fiel mir gleich diese Kraft des Augenblicks in den Arbeiten auf. Und ich habe erst vor etwa einer Woche zufällig erfahren, dass das hier Micols erste Ausstellung ist.

Es ist mir wirklich eine Freude und Ehre, Euch hier zeigen zu dürfen.

Vielen Dank

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