PROZESS No 14

Werke von Sabina Grizmek, Andrzej Urbanski und Carina Jo Sivager

ERÖFFNUNG: 12 – 16 Uhr am 22. Oktober 2011

DAUER: 22. Oktober bis 11. November 2011

14. Eröffnungsrede

Liebe Freunde,

schön, dass ich Euch hier wieder willkommen heißen kann zur 14. Ausstellung der Prozessgalerie.

Diesmal möchte ich über zwei unterschiedliche Arten des Tuns im Akt der Schöpfung sprechen. Zum ersten gibt es den schöpferischen Akt, dessen Handlung in einem Zustand der wachen Selbstvergessenheit geschieht. In diesem Zustand ist der Künstler, wie man so sagt im „flow“. Es ist ein raum- und zeitloser Zustand, in dem Innen und Außen zusammenfallen und das ICH damit vergessen wird. Überhaupt ist dieser Zustand gedankenfrei, oder zumindest kommen und gehen hier die Gedanken wie Wolken, die man nicht berührt. Diese Aufhebung der Abgetrenntheit von Schöpfung und Schöpfer wird von einem tiefen Glücksgefühl begleitet und als existenzielle Berührung erlebt. Mein Eindruck ist, hier kann man wohl recht eindeutig sagen: dies ist authentisch und wahr, das ist gute Kunst.

Die Frage ist nun, was ist mit den vielen anderen Handlungen, die wir ausüben? Den Handlungen, bei denen wir nicht im „flow“ sind? Den Handlungen, bei denen wir unseren Mustern folgen? Inwiefern können Handlungen, die Mustern, also Wiederholungen entspringen überhaupt schöpferisch sein?

Die Postmoderne Philosophie unserer Zeit weist mit einer gewissen Berechtigung darauf hin, dass alles was ist, „göttlich“ist, einfach weil es ist – also auch die Wiederholung. Dennoch hat jeder Mensch eine mehr oder weniger klare Empfindung, dass ihn das Eine mehr berührt als das Andere. Der Mensch empfindet also mit einer inneren Hierarchie von Qualitätsabstufungen – also das Eine erscheint dem Menschen „göttlicher“ als das Andere. So erscheint also dann die Wiederholung der Wiederholung, also das was wir Muster nennen in der Regel nicht so berührend, göttlich, schöpferisch, wie die aus der direkten Intuition geleitete Handlung. Trotz dieser offensichtlichen Erfahrung der Qualitätsunterschiede, ist der Einwand, dass alles was ist, „göttlich“ ist, da es ist, wie ich finde in einem höchsten Maße einleuchtend – ja zeitweise sogar direkt erfahrbar. (Flow, Meditation etc…)

Also die Frage nochmal: Können Handlungen, die Mustern, also Wiederholungen entspringen schöpferisch sein?

Um diesen scheinbaren Widerspruch zu durchdringen, ist es notwendig, sich das Wesen eines Musters, also einer zwanghaften Wiederholung bewusst zu machen. Wenn bei einem Menschen ein Verhaltensmuster entsteht, dann scheint es oft ein erstes signifikantes Erlebnis, beispielsweise ein Trauma zu geben, auf dass dann der Mensch mit einem bestimmten Verhalten xy reagiert. Und jenes Verhalten xy reproduziert unter Umständen das erlebte Trauma, auf das dann wieder das Verhalten xy angewand wird usw. usf. In etwa so stellt sich die Entstehung eines Musters dar, wenn wir auf das Leben eines Menschen schauen.

Blicken wir mit einer etwas anderen Perspektive aber auf das Familiensystem dieses Menschen, dann können wir feststellen, dass das traumatische Thema und in der Regel auch das dazugehörige Verhaltensmuster in diesem Familiensystem bereits vorhanden war. Das Muster ist also nur von einer vorhergehenden Generation übernommen worden. Und nicht nur dies. Das Entscheidende dabei ist, mit welcher Motivation beispielsweise hier ein Junge Thema und Verhalten seines Vaters übernimmt. Die therapeutische Arbeit des Familienstellens von Bert Hellinger zeigt hier sehr klar und deutlich, dass ein Kind in der Regel versucht, einem Elternteil
sein Schicksal abzunehmen, indem es sagt:

Lieber Papa, lieber ich, als Du.
Liebe Mama, lieber ich, als Du.

Das Kind möchte die Eltern retten – aus LIEBE.

Und das ist der Knackpunkt:
Ein Verhalten, das uns, wenn wir auf den Menschen schauen als vielleicht oberflächlich, roh und ohne Sensibilität und Berührung erscheint, da es lediglich einem Muster entspringt, ist aus einer anderen Perspektive, nähmlich wenn wir auf das System blicken, ein Ausdruck tiefer, direkter Liebe.

Es ist sehr lohnenswert getriebene und uninspiriert produzierte Kunstwerke, von denen der Markt überschwemmt ist, unter diesem Blickwinkel der Unerlöstheit als einen Ausdruck kindlicher Liebe auf sich wirken zu lassen. Auch diese Werke berühren dann – es sind dann Verzweiflung, Leid, Missbrauch und all diese schlimmen Dinge, die uns dann entgegenspringen. So zeigt sich uns auch im „Schlechten“ als Ausdruck der Liebe das „Göttliche“. Das „Schlechte“ muss also um sich als „göttlich“ zu offenbaren das „Schlecht-Sein“ nicht aufgeben. Und wir können und sollten ruhig beim Betrachten von Kunst, Arbeiten die uns berühren, vertreten und Arbeiten, die uns kalt lassen auch deutlich ablehnen. Wir sprechen den Arbeiten damit ja nicht ihre Existenzberechtigung ab.

Also das gilt natürlich auch für diese Ausstellung hier, auch wenn ich davon ausgehe, dass die hier gezeigten Arbeiten alle ohne Ausnahme nicht nur „göttlich“, sondern auch sehr gut sind.

Ich stelle Euch noch kurz die Kollegen vor:
Die Plastiken hier sind von Sabine Grizmek. Sabine gehört wenn man so will zu dem Berliner Urgestein. Einige von Euch werden sie ja bereits kennen. Jedenfalls vielen Dank Sabine, dass Du Dich zu dieser Ausstellung bereit erklärt hast.

Carina Jo Sivager, auch Dir möchte ich danken. Carina kommt aus Dänemark und hat die Fotoarbeiten gemacht.

Und Andrezj Urbanski stellt hier zum zweiten Mal aus. Andrezj hatte bei der Eröffnungsausstellung der Prozessgalerie vor gut 2 Jahren einige Fotoarbeiten hier. Inzwischen ist er zur Malerei gekommen – eine Entwicklung, die mich sehr freut. Vielen Dank Andrezj …

So, jetzt bin ich endlich fertig.
Viel Freude mit der Kunst …

Menü